Gestritten wurde gerne und viel in der Sozialdemokratie, besonders im Kreise der Linksoppositionen der Partei. Das war auch Anfang April 1917 in Gotha so. Dort hatten sich insgesamt 143 Vertreter der Sozialdemokraten, darunter 15 Abgeordnete des Deutschen Reichstags, die eine Politik der Zustimmung zu den Kriegskrediten und des innenpolitischen »Burgfriedens« nicht mehr mitzumachen bereit waren, im »Volkshaus zum Mohren« getroffen, um eine neue Partei zu konstituieren. Doch wie sollte diese Formation heißen? Darüber ging einer der vielen Dispute schon in der Gründungszeit der neuen politischen Organisation: Die einen wollten sich als »Opposition der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands« präsentieren, andere präferierten den Namen »Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Opposition«; die nächsten fochten für das Signum der »Internationalen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands«. Schließlich entschied sich die Mehrheit der Delegierten – mit 77 gegen 42 Stimmen – für die Bezeichnung »Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschland« (USPD).[1]

Mit diesem Datum und Votum war die politisch links organisierte Arbeiterbewegung zwischen Königsberg und Konstanz auf lange Zeit gespalten.[2] In erster Linie hat man das als Folge des Krieges zu bewerten. Zuvor, im Kaiserreich, existierten wohl ebenfalls schon zwei Grundströmungen in der Sozialdemokratie; auch damals hatte es auf der einen Seite reformistische, auf der anderen Seite stärker revolutionäre Mentalitäten gegeben. Das aber konvenierte zur damaligen Zeit durchaus. […]

Anmerkungen:

[1] Siehe Curt Geyer, Die revolutionäre Illusion. Zur Geschichte des linken Flügels der USPD. Erinnerungen, hg. von Wolfgang Benz und Hermann Graml, Stuttgart 1976, S. 56.

[2] Zur Geschichte dieser Partei vgl. Dieter Engelmann u. Horst Naumann, Zwischen Spaltung und Vereinigung. Die Unabhängige sozialdemokratische Partei Deutschlands in den Jahren 1917–1922, Berlin 1993; Hartfrid Krause, USPD. Zur Geschichte der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Frankfurt a. M. 1975.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2017