Dass die Situation und die Perspektiven wissenschaftlicher MitarbeiterInnen an den Hochschulen ausgesprochen prekär sind, ist nicht neu, wenn auch lange Zeit kaum öffentlich diskutiert worden. Die Bedingungen, unter denen der wissenschaftliche Nachwuchs tätig ist, haben sich spätestens zu Beginn des 21. Jahrhunderts verändert und teilweise erheblich zugespitzt. Kurze Vertragslaufzeiten bei hoher Arbeitsbelastung und kaum Aussichten auf langfristige – geschweige denn unbefristete – Stellen gehören zum Alltag im Wissenschaftsbetrieb. Die Frage, ob wir es heute mit einer verlorenen Generation an den Hochschulen zu tun haben, ist also zu Recht gestellt – auch wenn sie trotz offenkundiger Missstände im sogenannten Mittelbau weder einfach und eindeutig bejaht noch undifferenziert verneint werden kann. Wie immer und überall gibt es auch im wissenschaftlichen Feld soziale Kämpfe, aus denen heute (und das markiert vermutlich tatsächlich einen Generationenunterschied) neben einigen GewinnerInnen besonders viele VerliererInnen hervorgehen. Der These von der verlorenen Generation und ihrem kollektiven Schicksal ließe sich auch entgegenhalten, dass in den gegenwärtigen Entwicklungen vor allem die Milieus der BildungsaufsteigerInnen von privilegierten Gruppen und älteren Bildungsmilieus in ihre Schranken gewiesen werden sollen, um die eigene Vorherrschaft in der Wissenschaft zu sichern. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2013 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2013