»Der Ort, für den sich Deutschland schämt«, lautete am 2. August 2015 eine Schlagzeile in der Bild. Dieser Ort, von dem dann eine für das Blatt bemerkenswert lange Reportage handelte,[1] war das ostsächsische Freital. Hier hatte im vergangenen Sommer gewissermaßen die Welle wütender, bald militanter und zunehmend von Rechtsextremisten organisierter und fanatisierter Krawalle vor Asylheimen in Deutschland eingesetzt. Mittendrin hat sich verlässlich und mit erkennbarem Behagen, da natürlich prominent ins Scheinwerferlicht gerückt,der Gründer und Lenker von Pegida getummelt: Lutz Bachmann, der in Freital ansässig ist. In dieser Stadt durften sich damals Bachmann, Pegidisten und irgendwie selbst die Kader mit Springerstiefeln noch weiter rechts einer zumindest raunenden Zustimmung der kommunalpolitischen Führungsgarnitur erfreuen. Der neue christdemokratische Bürgermeister Freitals hatte im Kommunalwahlkampf dieses Sommers jedenfalls eifrig bekundet, »pöbelnden und gewalttätigen Ausländern«[2] mit Sanktionen scharf entgegentreten zu wollen, sollten ihm die Bürger das Amt an der Spitze des Rathauses anvertrauen, was ihr wählender Teil zu 51,3 Prozent auch getan hat.[3] […]

Anmerkungen:

[1] Geschrieben von Michel Friedman, Der Ort, für den sich Deutschland schämt, in: Bild, 02.08.2015.

[2] Zit. nach Doreen Reinhard, Rassismus als Happening, in: Zeit Online, 25.06.2015, URL: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2015–06/freital-fluechtlingsheim-proteste-stellungskrieg [eingesehen am 05.11.2015.].

[3] Zum Ergebnis der Freitaler Bürgermeisterwahl siehe Bürgermeisterwahl 2015, URL: http://www.statistik.sachsen.de/wpr_neu/pkg_s10_bmlr.prc_erg_bm?p_bz_bzid=BM151&p_ebene=GE&p_ort=14628110 [eingesehen am 05.11.2015].

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015