Als Gegenstand seriöser Forschung treten Verschwörungstheorien vor allem in den Sozialwissenschaften, der historischen Forschung und der Psychologie auf. In der Philosophie, die sonst gern für Ordnung in der abstrakten Welt der Theorien sorgt, sind sie dagegen bisher kaum Gegenstand ernsthafter Auseinandersetzung geworden. Dabei unterscheidet sich die philosophische Perspektive erheblich von derjenigen der gerade genannten Disziplinen, weil es hier in erster Linie weder darum geht, Verschwörungstheorien zu »widerlegen« (oder zu bestätigen), noch darum, ihre soziologischen oder psychologischen Wirkungen näher zu untersuchen; sondern es geht um ihre Strukturmerkmale. Die Philosophie fragt bspw., welche Eigenschaften Verschwörungstheorien mit unseren »normalen« Theorien in Alltag und Wissenschaft teilen und an welchen Stellen sie sich von ihnen unterscheiden. Wenn wir eine Antwort auf diese Fragen geben wollen, so zwingt uns die Beschäftigung gerade mit solchen Theorien, denen wir von vornherein mit einem gewissen Argwohn begegnen, dazu, auch die Mechanismen, mit denen wir unsere Realität herstellen, einer genaueren Prüfung zu unterziehen. So zeigt uns der philosophische Blick auf die Strukturmerkmale von Verschwörungstheorien eben auch, wie gut oder schlecht es um unsere »normalen« Theorien bestellt ist. Dies wird im Folgenden anhand einer Analyse der Rolle und Funktion von Existenzaussagen in Verschwörungstheorien illustriert.[1]

Zunächst jedoch einige Vorbemerkungen und ein kurzer Blick auf den Begriff. Was definiert die »Verschwörung«? […]

Anmerkungen:

[1] Für die ausführlichere Analyse der philosophischen Strukturmerkmale von Verschwörungstheorien siehe: Karl Hepfer, Verschwörungstheorien. Eine philosophische Kritik der Unvernunft, Bielefeld 2015.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015