Ganz allmählich verschwinden die dunklen Schatten von den Fassaden der einstmals farbigen Gründerzeitbauten in Lindenau, im Westen Leipzigs. Die Spuren des Niedergangs in dem einstigen industriellen Ballungsgebiet verlieren zunehmend ihre Sichtbarkeit. Die Straßenzüge des Viertels sind frei von Qualm und Smog. Statt giftiger Dämpfe quillt aus den Schloten der heruntergekommenen Industrieanlagen heute allenfalls der Efeu. Auch von den großen Fertigungshallen ist nicht viel übrig geblieben. Unweit der Hauptstraßen des etwas abgelegen Stadtteils liegen die zerfallenen Überreste vergangener Produktion: zugewachsene Fassaden und eingeworfene Fensterscheiben. Zwar merkt man dem Stadtteil über zwanzig Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten den Niedergang der ostdeutschen Industrie noch immer an. Doch die Arbeitslosigkeit, der Leerstand von Wohnraum und auch die resignativen Gesichter der Anwohner verschwinden, ganz allmählich. Die Rezession und die quälend langsame Wiederbelebung der Stadt weichen Schritt für Schritt einem Aufschwung. Momente eines neuen Optimismus blitzen auf.

Nahe dem Lindenauer Markt hat sich direkt an der Straßenbahnlinie 7 zu Beginn des Jahres 2012 eine Gruppe junger Aktivist(innen) angesiedelt. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 4-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012