Im Oktober 2011 postete die ägyptische Internet-Aktivistin Aliaa Elmahdy ein Foto, auf dem sie schwarze, mit kreisrunden Blüten und Punkten gemusterte Spitzenstrümpfe und rote Schuhe trägt, ansonsten aber völlig nackt ist. Die Reaktionen darauf polarisierten die öffentliche Meinung zunächst in Ägypten, bald aber auch weltweit heftig. Weitere öffentliche Nacktfotos von Sympathisantinnen – etwa einer Gruppe von Frauen aus Israel –, aber auch Hass-Mails und Morddrohungen folgten. 2012 sah sich Aliaa Elmahdy genötigt, Ägypten zu verlassen. Sie beantragte politisches Exil in Schweden und führte von dort aus ihre politische Agenda in Bezug auf Frauenrechte und Säkularisierung fort. Gemeinsam mit zwei Aktivistinnen der ukrainischen Gruppe FEMEN, die jedoch damals bereits verstärkt international, vor allem von Frankreich aus, operierte, protestierte sie dann im Dezember 2012 vor der ägyptischen Botschaft in Stockholm, indem sie – wieder nur mit schwarzen Strümpfen und roten Schuhen bekleidet – auf nackter Haut den Schriftzug »Sharia is not a constitution« präsentierte. Die FEMEN-Frauen flankierten Aliaa Elmahdy mit den Botschaften »No Islamism, Yes Secularism« sowie »Apocalypse by Mursy« und alle drei hielten sich Kopien heiliger Bücher vor die Scham. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2016