Der Politologe Ron Dart ist einer der bekanntesten kanadischen Vertreter der sogenannten Red-Tory-Bewegung, einer sozialkonservativen Denkrichtung, die auch in Großbritannien namhafte Anhänger hat. Wir haben Professor Dart gebeten, einige Kernthesen des »Red Toryism« zusammenzufassen.

Von welchen Prinzipien ist der anglo-kanadische Red Toryism geleitet und wie kann uns eine solche Vision dabei unterstützen, die Malaise der Moderne zu bewältigen? Die philosophischen und politischen Wurzeln des historischen Toryismus reichen tief in die westliche Kulturgeschichte, weshalb eine  ausführliche Rekonstruktion an dieser Stelle nicht möglich ist – ich möchte mich daher im Folgenden auf elf Punkte beschränken.

Erstens: Tories vertrauen auf die bewährte Weisheit der Tradition, die erprobten Einsichten in die condition humaine, welche wir unseren Vorvätern zu verdanken haben. Bernard von Chartres hat diese Denkweise recht gut zusammengefasst, als er schrieb: »Wenn wir weiter sehen als jene, die vor uns gingen, dann nur, weil wir Kinder auf den Schultern von Giganten sind.« Wenn Tories bestrebt sind, die Stimmen der Vergangenheit in ihre Urteile einzubeziehen, heißt das jedoch nicht, dass sie dies in einer romantisierenden Weise tun. Es geht vielmehr darum, sich auf einen vorbehaltlosen Dialog mit der Geschichte einzulassen, in dem selbst die weisesten Köpfe über die Unwägbarkeiten der menschlichen Reise belehrt werden können. Die  Geschichte vermag auf dieser nicht immer ganz ungefährlichen Reise im Meer der Zeiten Orientierung zu stiften. […]

Übersetzung: Karin Schweinebraten und Danny Michelsen

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015