Wenn wir morgens mit schmerzendem Kopf und schalem Rauchgeschmack im Mund aufwachen, uns darauf konzentrieren müssen, unsere Glieder auch nur bewegen zu wollen, dann mögen wir die Feier mit ihrem Alkohol, den Zigaretten, den ausgelassenen Tänzen und schweren Gesprächen bis in die tiefe Nacht verfluchen. Wenn sich schließlich die Erinnerung an den vorigen Abend langsam und eher schwadenförmig einstellt, wir den Verlauf überprüfen, an Begegnungen mit Freunden oder bis dahin Fremden denken, uns nicht mehr an jedes Detail erinnern können oder überhaupt nur mögen, dann fassen wir ob der Folgen unserer Unvernunft schon mal den Vorsatz, in Zukunft doch vernünftiger zu sein. Der Gedanke, dass ein gewisses Maß an Unvernunft dazugehören könnte zu einem erfüllten Leben, das zumindest kommt uns dann doch sehr abwegig vor. In einer solchen Gemütslage mithin erscheint das Wortpaar Rausch und Rationalität keineswegs, wie das Wörtchen »und« verheißen möchte, als zusammengehörig, sondern viel eher in Form eines Entweder-Oder. Hier der heiße Rausch, schäumender Inbegriff des Kontrollverlustes, bedrohlich in seiner Grenzen überschreitenden Zügellosigkeit – dort die Rationalität, vernünftig, ordnend, berechnend, kühl. Nun, das war nicht immer so. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 3-2013 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2013