»Hervorragende psychologische, soziologische, anthropologische, verhaltensökonomische bzw. verhaltenswissenschaftliche Kenntnisse«[1] waren gefordert, als das Bundeskanzleramt 2014 drei Referentenstellen für den Planungsstab ausschrieb. Die erfolgreichen Kandidaten sollten später in »kreativen Prozessen neue politische Lösungsansätze […] auf Grundlage vertiefter Situationsanalysen, qualifizierter Interviews […] sowie verhaltenswissenschaftlicher Evidenz« entwickeln. Was zunächst kryptisch und einigermaßen exotisch klang, klärte sich rasch: Mit der Drei-Mann-Task-Force »wirksam regieren« eiferte die Bundesregierung der mittlerweile knapp achtzigköpfigen nudge unit – einst ein Projekt der britischen Regierung, nunmehr eine unabhängige Institution – und der Social and Behavioral Sciences Initiative der US-Regierung nach. Auf Basis verhaltensökonomischer Erkenntnisse sollen die Wissenschaftler Lösungen für jene Herausforderungen erarbeiten, die ohne gesellschaftliche Verhaltensänderungen nicht zu meistern sind. Ziel ist, die Instrumente, die hierfür bislang zur Verfügung gestanden haben (Gebote, Verbote, Vorschriften, ökonomische Anreize oder Überzeugung), durch Nudges (dt.: Anstupser/Schubser) zu ergänzen: kleine Tricks, die Bürger in Entscheidungssituationen in diese oder jene Richtung »schubsen«.

Eines der zahllosen Beispiele, die Cass Sunstein und Richard Thaler, Namensgeber des »libertären Paternalismus« und findige Vermarkter des Nudging, dafür anführen, ist die Organspende:[2] […]

Seite ausdrucken Beitrag bestellen

Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2016 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2016