»Das Alter ist nichts für Feiglinge!«[1]

Schichtungen der Räume

Die Alten werden immer älter, das Zusammenleben mehrerer Generationen immer schwieriger, nicht selten trennen sich die Alten von den Jungen: bisweilen werden sie aus unterschiedlichsten Gründen in die  Seniorenresidenz, ins Altenheim oder gar ins Pflegeheim[2] »abgeschoben«, bisweilen suchen sie auch freiwillig diesen abgeschotteten Raum auf. Damit einher geht ein scharfer Trennungsprozess in der Alltagswirklichkeit mit  der Aufgliederung in zwei Sphären: in jene als Kindheit, Jugend, Erwachsensein erlebte Sphäre des geschäftigen Alltags und der Arbeit gegenüber der – von den Verpflichtungen des Arbeitslebens und des Sorge-Tragens für die Familie entlasteten – Sphäre des Alters. Nicht mehr das alltägliche Zusammenleben, sondern der Besuch artikuliert im besten Fall die Beziehungen zwischen Alten und Familie. […]

Anmerkungen:

[1] Dialogzeile aus dem TV-Krimi »Nicht jugendfrei«; die Aussage wird Goethes Leibarzt Christoph Wilhelm Hufeland zugeschrieben.

[2] Die Spanne der Bezeichnungen deutet auch auf das Spektrum der Stile, der Anspruchsniveaus und des Charakters der Unterbringung hin: Neben den genannten finden sich inzwischen gar Seniorenhotels, auch findet sich im Deutschen zunehmend das resort. Sprechend sind auch die Altersheim-Namen, die oft an dieNamen besserer Hotels oder bürgerlicher Pensionen anknüpfen.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015