Der Titel dieses Essays ist natürlich des Publizisten ältester Trick: Man schafft eine begriffl iche Ambivalenz durch zwei Wörter, die intuitiv nicht recht zusammengehen wollen, um dann den Überraschungsmoment auf seiner Seite zu haben, wenn sich doch plötzlich alles zueinander fügt. Denn sich auf die Suche nach utopischen Elementen im amerikanischen Konservativismus zu machen – das klingt natürlich erst einmal nach keinem sehr aussichtsreichen Unterfangen. Schließlich glauben wir alle zu wissen, dass der Konservativismus gerade die Speerspitze des »anti-utopischen« Denkens darstellt. Seitdem Edmund Burke mit seinen »Betrachtungen zur Französischen Revolution« das Genre konservativer Fortschrittskritik erfand, haben die Befürworter von Ordnung, Hierarchie und Tradition über mehr als zwei Jahrhunderte einen Kreuzzug gegen alle geführt, die glaubten, die Zukunft könnte ganz anders und zugleich sehr viel besser sein als die Gegenwart. Hielten Konservative es nicht stets mit dem britischen Historiker und Dichter Thomas B. Macaulay, der einmal sagte, dass, wenn er sich zwischen einem »Acker in Middlesex« oder einem »Fürstentum in Utopia« zu entscheiden hätte, er ohne zu zögern den Acker bevorzugen würde? Waren nicht Konservative stets davon  überzeugt, dass jeder Versuch, den Himmel auf Erden zu schaffen, immer nur in einer sehr irdischen Hölle enden würde? […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 2-2012| © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2012