Es gibt ein schönes, nicht zufällig paradoxes Bild, das Italiens Verfasstheit beschreibt: rasender Stillstand. Also: viel Wind, wenig Effekt. Ständiger Wandel, aber alles bleibt beim Alten. Leidenschaftliche Anläufe, die jedoch regelmäßig im Ungefähren verenden. Immerwährende Hoffnung und anhaltende Verzweiflung. Italien ist immer beides: fast überm Berg und auf steilem Weg hinab ins Tal der Tränen. Das macht es einem Deutschen, der Italien beharrlich mag, nicht eben leicht. Im Laufe der Jahre beobachtet er erstaunt und mit Erschrecken, dass sein Interesse ob dieses ewigen Hin und Hers wenn nicht im Verschwinden, dann doch im Abnehmen ist. Wenn keine italienische Einzelheit von größerer Dauer und Verlässlichkeit ist – warum soll man diese Einzelheiten dann überhaupt zur Kenntnis und unter die Lupe nehmen? Italien strengt an, es ermüdet. Warum kommt das Land so schwer vom rasenden Stillstand los? Warum wird – um eine These dieses Aufsatzes vorwegzunehmen – vermutlich auch Matteo Renzi, der junge und so energisch auftretende Ministerpräsident, daran wenig ändern können?

Es hat sicher mit der prekären Einheit Italiens zu tun. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015