In den neunziger Jahren waren wir Österreicher gefragte Leute. Ich war damals Deutschland-Korrespondent des Magazins profil und das war gewissermaßen eine Doppelrolle: Einerseits der Hauptberuf, nämlich den Österreichern Deutschland zu erklären, und gleichzeitig der Nebenberuf, nämlich den Deutschen Österreich zu erklären. Nahezu jede Woche kam irgendeine Anfrage eines deutschen Mediums: Hey, was ist bei Euch mit diesem Haider los?

Österreich war damals so etwas wie ein Sonderfall: Laboratorium des Aufstiegs des Rechtspopulismus. Gewiss, es gab auch in Frankreich den Front National, aber dessen Zentralfigur war sein Langzeitvorsitzender, der alte Haudegen Jean-Marie Le Pen. Das roch zu sehr nach altem Fünfziger-Jahre-Rechtsradikalismus, um als Signum von etwas Neuem durchzugehen. Österreich aber hatte mit Haider seinen ersten Pop-Rechten. […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015