25 Jahre danach

»Erinnert Euch, und zwar geziemend, Deutsche in Ost und West!«, hieß die unausgesprochene Losung der Jubiläumsfeiern aus Anlass des 25. Jahrestags des Mauerfalls vom 9. November 1989. Politisch wie medial beschwor man diesen Glückstag der deutschen Geschichte, indem man die Geschehnisse von damals wieder und wieder Revue passieren ließ, das Fernsehen zeigte Endlosschleifen, die Öffnung des ungarisch-österreichischen Grenzzauns, die Prager Botschaft, Demonstrationen in Leipzig und Berlin, Schabowskis Statement, ein produktives Missverständnis, das die Nacht sogleich zum Tage werden ließ, gen Westen strömende Massen, Tränen, Umarmungen, Fassungslosigkeit ob dieses Wunders, in einen Einwortsatz gekleidet: »Wahnsinn!«. Zeitzeugen referierten abermals, was sie in diesen Monaten, Tagen, Stunden mehr fühlten als dachten, glücklich darüber, was sie gemeinsam mit Hunderttausenden vollbracht hatten. Kaum ein Wort über die Erwartungen, die Hoffnungen, die mit dem kollektiven Aufbruch der Ostdeutschen einhergingen, welche sich erfüllten, welche platzten, wie die Welt, global betrachtet, 1989 aussah und wie es 25 Jahre darauf um sie bestellt war. Wer dazu anhob, wurde kühl bedankt sowie daran erinnert, dass er […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2015 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2015