Martin Sabrow beschreibt das Paradigma der Aufarbeitung als einen epochalen Zug unserer Zeit und ihre Beziehung zur Katastrophengeschichte des 20. Jahrhunderts. Dabei tendiere Aufarbeitung in ihrer Gegenwartsorientierung regelmäßig dazu, die für Historiker so entscheidende Grenze zwischen Deskription und Präskription einzureißen. Sabrow stellt eine eigentümliche Nähe zwischen der Vergangenheitsaufarbeitung zur Politik und zum politischen Personal fest und arbeitet einen Widerspruch heraus, zwischen Aussöhnung durch Ehrlichkeit auf der einen und dem Anspruch, die Lehren aus der Geschichte für die Zukunft zu bewahren, auf der anderen Seite. Mit Blick auf die Gegenwart beschreibt Sabrow einen „Aufstieg der Erinnerung zur Pathosformel “, den er mit einem partiellen Platztausch von Zukunft und Vergangenheit als tragende Identitätsressource der Gesellschaft erklärt. Der beschleunigungsbedingte Geborgenheitsverlust werde mit der Ausbildung von Erinnerungsorten kompensiert.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2014 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2014