Wirtschaftliche Krisenlagen sind stets auch Zeiten der Unsicherheit und der Suche. Zeiten, in denen etablierte Interpretationsrahmen und Instrumente zum Verständnis der Fundamente von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nicht so funktionieren, wie dies von ihnen erwartet worden ist. Infolgedessen sind gesellschaftliche Umbrüche, ökonomische Depressionen und empfundene Krisen immer auch verbunden mit einer Verschiebung in der Wahrnehmung der bis dato bekannten und akzeptierten Methoden zur Untersuchung der Welt. Jede Erschütterung der Gesellschaftsordnung wirkt sich mithin auch auf unsere Sicht und unser Verständnis von den Mechanismen aus, nach denen diese Ordnung funktioniert. Und die Suche nach neuen Methoden, um diese Ordnung besser zu verstehen, nach neuen Perspektiven oder Theorien, bekommt durch die Wahrnehmung einer Krise, welche durch etablierte Interpretationen nicht erklärt werden kann, immer wieder neue Nahrung. Daher ist der Blick zurück, auf vergangene Suchbewegungen nach neuen Erklärungen und besserem Verständnis, stets lohnend. Denn viele gesellschaftliche oder ökonomische Krisenmuster mögen sich durchaus ähneln und für einen erhellenden Blick auf heutige Zwangslagen von Nutzen sein.

Die gesellschaftlichen Umwälzungsprozesse etwa, welche die diversen Einwanderungswellen in die Vereinigten Staaten zur Folge hatten, haben indirekt die sozialwissenschaftlichen Methoden geprägt […]

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 1-2013 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2013