Radioaktive Teilchen »erreichen die Erdoberfläche in Gestalt tödlichen Staubes oder Regens«, ein »Landstrich von der Größe des Ruhrgebietes« ist ausgelöscht, die »größten Städte wie London, New York und Moskau dem Erdboden« gleichgemacht. Dieses beklemmende Szenario schilderten unzählige Atomwissenschaftler in den 1950er Jahren wieder und wieder mit drastischen Worten, anschaulichen Beispielen und in »tiefer Sorge«. Sie taten dies in Vorträgen, Interviews, Appellen und Manifesten, mit denen sie sich an die Öffentlichkeit wandten. Wären die Nationen nicht bereit, »freiwillig auf die Gewalt als letztes Mittel der Politik zu verzichten«, so lautete ihre Prognose, dann würden sie unweigerlich »aufhören zu existieren«.[1] Diese Position vertraten die Nuklearforscher unter anderem öffentlich in der Mainauer Kundgebung (1955), dem Russell-Einstein-Manifest (1955) oder der Göttinger Erklärung (1957). Sie legten sie aber auch in Stellungnahmen wie dem Franck- (1945) oder dem Acheson-ilienthal-Report (1946) hochrangigen Politikern vor.

Die auffällige Öffentlichkeitspräsenz und Politiknähe von Kernphysikern zu jener Zeit ist kurios. […]

Anmerkungen:

[1] Dieses und die vorangegangenen Zitate stammen aus: Deutsche Version des Russell-Einstein-Manifests, URL: http://www.pugwash.de/rem.pdf [eingesehen am 23.05.2011]; Göttinger Erklärung
vom 12. April 1957, u. a. abgedruckt in: Carl Friedrich von Weizsäcker, Bewußtseinswandel, München 1988, S. 384 ff.; Mainauer Kundgebung vom 15.Juli 1955, abgedruckt in: Elisabeth Kraus, Von der Uranspaltung zur Göttinger Erklärung. Otto Hahn, Werner Heisenberg, Carl Friedrich von Weizsäcker und die Verantwortung des Wissenschaftlers, Würzburg 2001, S. 162.

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Quelle: INDES. Zeitschrift für Politik und Gesellschaft, H. 0-2011 | © Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG, Göttingen, 2011